Malawi

Fünf Wochen verbrachten wir also in diesem Land mitten in Afrika, von welchem gesagt wird, es sei eines der ärmsten Länder der Welt. Für uns war dieses Land, wie der ganze Kontinent, eine grosse Blackbox. Wir wussten, dass es ein armes Land ist und die Situation prekär ist. Doch was das in der Realität genau heisst, war schwer vorstellbar. Deshalb möchten wir zum Schluss unseres Aufenthalts unsere Eindrücke kurz zusammenfassen und eine ganz eigene Analyse liefern, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wenn man durch die Strassen fährt, fällt ganz schnell auf: es gibt (fast) keine alten Menschen. Tatsächlich sind nach offizieller Statistik mehr als 50% der Bevölkerung unter 20 Jahre alt. Spricht man mit den Menschen hier, ist es keine Seltenheit, dass ihre Familien 6 oder mehr Kinder haben. Unter anderem werden die Kinder auch als Altersvorsorge gesehen. Ein Sozialsystem gibt es zwar, das reicht aber nirgendwo hin. Spitäler sind öffentlich, jedoch meist überfüllt. Nur wer Geld oder die richtigen Beziehungen hat, kann sich genügend gut versorgen. So ist Malaria ein grosses Problem. Einheimische haben diese Krankheit mindestens alle 5 Jahre. Die Behandlung kostet zwischen 5 und 50 Dollar, abhängig von der Stärke. Die Löhne bewegen sich dabei oftmals bei 1 bis 3 Dollar pro Tag (für Familien mit bis zu 6 Kinder). Das niedrige Einkommen wird hier mit Kleinhandel, dem „Business“, aufgebessert. Ob Gemüsehandel, Kleiderhandel usw. wo es geht, wird das Einkommen erweitert. Für viele ist der öffentliche Verkehr zu teuer, deshalb gehen sie zu Fuss zur Arbeit. 2.5 Stunden Arbeitsweg zu Fuss sind keine Seltenheit.

Das zweite, was ziemlich schnell auffällt, ist das niedrige Preisniveau. In den ländlichen Gebieten haben wir für 2 Franken gross gegessen – für viele ist selbst das praktisch unbezahlbar. Die grösste Banknote ist 2000 Kwatcha, was knapp 3 Franken entspricht. Das führt zu absurden und riesigen Geldstapeln. Den ÖV haben wir schon angesprochen. Die Preise sind unglaublich günstig (1 Stunde Busfahrt ~ 1 Franken). Die Umständlichkeit im ÖV führt aber zu einem extrem hohen Zeitaufwand, der nicht anders genutzt werden kann.

Malawi ist aber auch das Land des vielen Mais, der vielen verschiedenen Früchte und Gemüse – der Malawische Reis ist sagenhaft gut. Überall werden Kürbisse, Avocados oder Süsskartoffel am Strassenrand verkauft. Malawer sind sehr geduldig und tolerant. Sie lieben Musik. Der See aber auch die Nationalparks machen das Land auch für Touristen attraktiv. 

Es fällt auf, der Vergleich mit der Schweiz drängt sich auf. Die Probleme scheinen so zahlreich zu sein – Lösungen sind oft nicht erkennbar. Und dann hat man dieses leichte Schuldbewusstsein. Wieso geht es uns so gut? Oder sogar die Erkenntnis, dass unser Wohlstand vielleicht auf der Armut in diesen Ländern beruht (einseitiger Handel, finanzielle Abhängigkeiten usw.). Manche, dazu zählen die meisten westlichen Entwicklungshilfe-Geldgeber, sehen die Lösung in der Übertragung unserer westlich technologischen Fortschritte und der gesamten Kultur. Bei uns hats funktioniert, dann muss es da ja auch klappen. Misstrauen und Abhängigkeit ist auch hier das Resultat. Und schliesslich stellt sich vielleicht die Frage, ob die Menschen in Armut vielleicht sogar glücklicher sind als wir. D.h. dass sie in einem westlich fortgeschrittenen Afrika, d.h. in ewiger Zeitknappheit sowie im Zwang zum höchstmöglichen Profit, gar nicht leben wollen. Glück ist sicher nicht abhängig vom materiellem Besitz. Mein subjektiver Eindruck ist vielmehr, dass manche Afrikaner ihre Situation akzeptiert haben und sich damit zufrieden geben (was genau so viele Schweizer auch machen. Ich halte es in der Schweiz aber für weit schwieriger…).

Was ist also zu tun? Das ist eine schwierige und politisch umstrittene Frage mit keiner richtigen oder falschen Lösung. Wichtig ist, DASS man etwas tut. Konkret sehen wir vor allem zwei Dinge. Der Handel muss fair werden. Fair-traid oder andere Labels sind ein solcher Schritt, nicht nur bei Esswaren, sondern auch bei Kleidern. Dann ist die Hilfe zur Selbsthilfe der richtige Weg. Bestes Beispiel die Zikomo Foundation. Investitionen werden über Spendengelder aus der Schweiz und Malawi finanziert. Der Betrieb der Academy und des Kindergartens kann durch die eigene Maisproduktion in Malawi getragen werden. Es gibt viele unglaublich gute Menschen wie James P., der Projektleiter vor Ort. Das Schicksal von Malawi, welches erst seit 23 Jahren in einer Demokratie lebt, liegt ihnen am Herzen. Sie wissen genau, dass sie sich aus Abhängigkeiten lösen müssen, die Korruption ausrotten und ihren eigenen Weg gehen müssen. 

2 Gedanken zu “Malawi

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