Potosi – die höchste Stadt der Welt

Nach ein paar erholsamen Tagen in der schönen Hauptstadt Boliviens, Sucre, machten wir einen Stopp in Potosi. Heute ist die Stadt bekannt als höchstgelegene Grossstadt der Welt. Sie liegt auf über 4000 M.ü.M.! Aufgrund der enormen Höhe wächst hier praktisch nichts und auch Wasser ist sehr spärlich vorhanden. Als die Spanier Bolivien eroberten, fanden sie am Cerro Rico, dem Hausberg, Silber. Der anschliessende Abbauboom machte die Stadt zur damals reichsten der Welt. Noch heute zeugen die Kolonialbauten in der Innenstadt davon. Potosi ist symbolisch für ganz Bolivien. Heute wird kaum noch Silber gefördert und der Preiszerfall auf dem Weltmarkt für die exportierten Mineralien führt zu einem extrem niedrigen Ertrag. 

Julio, ein ehemaliger Minenarbeiter, zeigte uns die Mine, in welcher er gearbeitet hatte. Der Untertagbau ist wohl eine der härtesten Arbeiten, die es gibt. Während über 10 Stunden schieben die Arbeiter die tonnenschweren Wagen aus der Mine, immer in der Hoffnung auf eine Silber-Ader zu stossen. Riskieren tun sie dabei nichts geringeres als ihr Leben. Für Deborah und mich waren diese 2 Stunden in den engen und sehr tiefen Gängen der Mine sehr unangenehm und wir waren am Schluss froh, wieder draussen zu sein. Die Arbeiter sind denn auch gekennzeichnet und haben schon mit mitte dreissig starke gesundheitliche Probleme! Ändern können wir daran nicht viel. Der Grund für die teilweise Perspektivelosigkeit in Bolivien liegt auf der Hand: sie haben keine eigene Wertschöpfung. So erklärte uns Julio: „Schau mich an, nichts kommt aus Bolivien. Die Schuhe: made in Peru. Der Helm: made in Brasil. Die Stirnlampe: made in China. Die Hose: keine Ahnung von wo, aber sicher nicht von hier!“

Auch das entdeckte Lithium in der Salar de Uyuni wird daran wohl nicht viel ändern. Korruption und Machtstreben verhindern eine faire Aufteilung der Einnahmen aus den Bodenschätzen. Diese Aussage stammt nicht nur von Julio aus Potosi, sondern auch von Laurentino dem Taxifahrer aus la Paz, von Gregorio, dem Busfahrer aus Uyuni oder auch von Angel, dem Airbnb Vermieter aus Sucre… Wir konnten nirgendwo eine Unterstützung der Regierung oder Hoffnung in eine bessere Zukunft feststellen, was uns für dieses enorm schöne Land doch sehr traurig machte und zu Denken gibt!

3 Gedanken zu “Potosi – die höchste Stadt der Welt

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